Lifestyle Ursachen

Lifestyle Ursachen


Bereits ab dem 25. Lebensjahr
nimmt die Fruchtbarkeit deutlich ab

Alter

In Österreich herrscht, so wie in vielen anderen Ländern auch, ein Trend zur späten Mutterschaft und zu wenigen Kindern. So ist es heute nicht mehr ungewöhnlich, dass vor der ersten Schwangerschaft 20 Jahre hormonelle Verhütung liegen. Durchschnittlich verbleiben einer Frau somit weniger als 25% der von der Natur vorgesehenen fruchtbaren Jahre für die Reproduktionsphase. Die Chancen für eine Empfängnis jedoch sinken mit dem Alter drastisch. Ist die Frau 35 Jahre alt oder älter halbiert sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Konzeption auf knapp 50% statt der ursprünglich 90%. 2014 lag das durchschnittliche Fertilitätsalter bei der Geburt des ersten Kindes bereits bei 29 Jahren, wobei sich eine kontinuierliche Erhöhung zeigt.1  Die Statistik des IVF-Fonds des Gesundheitsministeriums weist für das Jahr 2015 alleine für die In-vitro-Fertilisation 9.101 Versuche bei 6.153 Paaren aus. Im Vergleich zu 2012 entspricht dies bereits einer Steigerung von 26% bei den Versuchen und 21% bei den Paaren. Mit 1.680 Versuchen (40,4 %) ist das PCO-Syndrom 2015 nach wie vor als frauenbezogene Ursache die häufigste Indikation für eine IVF-Behandlung (2012: 27,1%).2

Mit zunehmendem Alter verschlechtern sich die folgenden für die Fertilität eines Paares essentiellen Kriterien:

  • die Qualität der Eizellen
  • die Zahl der Eizellen
  • die Qualität der Spermien
  • die Zahl der Spermien

Ernährung/Gewicht

Normalgewichtige Frauen, sofern sie sich dauerhaft ausgewogen ernähren, haben die besten Chancen auf eine Schwangerschaft. Starkes Unter- oder Übergewicht beeinflusst sowohl den Hormonhaushalt als auch den weiblichen Zyklus, da Fettgewebe unter anderem einen wichtigen Hormonproduzenten darstellt.

Wenn von diesem Fettgewebe zu viel vorhanden ist, kommt es zu einem Hormonüberschuss und der Hormonhaushalt wird durcheinandergebracht. Der Zyklus ist nicht mehr regelmäßig, die Funktion der Eierstöcke wird negativ beeinflusst und die Wahrscheinlichkeit eines PCO-Syndroms ist wesentlich höher.

Ein Ungleichgewicht zwischen den geschlechtsspezifischen Hormonkreisläufen kann zu Störungen im Stoffwechsel führen und sich beispielsweise in der Ablagerung von Fettzellen äußern. Ein typisches Symptom bei PCOS ist ein erhöhter Spiegel an männlichen Hormonen, welcher zu Übergewicht führen kann. Frauen, die an einem PCO-Syndrom leiden, weisen oft einen gestörten Zuckerstoffwechsel, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck auf. Betroffene haben darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Veränderungen bis hin zum metabolischen Syndrom.3
Aber nicht nur ein idealer Gewichtstatus ist wichtig, sondern ebenfalls was man isst und die richtige Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen und Antioxidantien. Obwohl die Ernährung des Mannes einen entscheidenden Einfluss auf die Fertilität hat, spielt dieser Faktor bei Frauen eine viel wichtigere Rolle, da sie auch ein entsprechendes Nährstoffdepot benötigen, um ihr Baby neun Monate lang austragen zu können. Die Nahrungsaufnahme der Mutter beeinflusst bereits ab dem Kinderwunsch die gesunde Entwicklung des zukünftigen Kindes.

Besonders Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom haben einen erhöhten spezifischen Bedarf an Mikronährstoffen, daher kommt dem gezielten Diätmanagement eine besonders wichtige Rolle zu.

Stress

Stress und Kinderwunsch passen nicht zusammen, denn nicht nur die Libido leidet darunter, sondern Stress bringt auch den Hormonhaushalt von Mann und Frau durcheinander. Steht ein Mensch permanent unter Stress, wird zu viel  Prolaktin ausgeschüttet – ein Hormon, das sowohl den weiblichen Zyklus als auch die Spermienproduktion beim Mann negativ beeinflussen kann.
Eine Studie aus den USA zeigt, dass ein hoher Wert des Stressindikators alpha-Amylase mit einer um fast 30% geringeren Chance für die Empfängnis einhergeht.4

Nikotin

Rauchen beeinflusst sowohl die Fertilität von Frauen und Männern, als auch den Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit des ungeborenen Kindes.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Nikotinmissbrauch vor der Empfängnis bereits negative Auswirkungen hat. Zum Beispiel weiß man mittlerweile, dass Rauchen die Eizellreifung wie aber auch die Eizellqualität massiv negativ beeinflusst, das bedeutet u.a. auch vermehrte Fehlgeburten. Eine Studie mit 14.893 Frauen zeigte, dass es bei Raucherinnen um ca. 1 Jahr länger dauert, bis sie schwanger werden, als bei Nichtraucherinnen.
Raucht der männliche Partner, verzögert sich die Empfängnis ebenfalls signifikant im Gegensatz zu nicht rauchenden Partnern.5 Vor allem aber beeinflusst Nikotin die Spermienqualität des Mannes negativ.

Alkohol

Alkohol wird mit einer reduzierten Fruchtbarkeit und einem erhöhten Risiko an Spontan-Fehlgeburten in Verbindung gebracht.  Man geht davon aus, dass Alkohol eine Auswirkung auf den weiblichen Hormonhaushalt hat und dementsprechend die Follikelentwicklung sowie den Eisprung aber auch die Entwicklung des Embryos negativ beeinflussen kann.6
Selbst wenn die Frau keinen Alkohol trinkt, der Mann jedoch schon – die Zeit bis zu einer Konzeption (Empfängnis) kann sich signifikant verzögern.7

 



1)  http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/demographische_indikatoren/023572.html
2)  IVF – Fond (Jahresberichte 2012, 2015) = LINK
3) Carmina E. Metabolic syndrome in polycystic ovary syndrome. Minerva Ginecol. 2006 Apr;58(2):109-14.
4) Lynch et al. Preconception stress increases the risk of infertility: results from a couple-based prospective cohort study—the LIFE study Human Reproduction, Vol.29, No.5 pp. 1067–1075, 2014
5) Hull M.G. et al.; Fertil Steril 2000; 74: 725-733
6) Gill J. et al.; Alcohol Alcohol 2000; 35: 417-423 7) Hassan et al. Fertil Steril 2004; 81 (2):384 – 392)
7) Hassan et al. Fertil Steril 2004; 81 (2):384 – 392)